Warum der Innere Schweinehund nicht bezwungen werden kann. Die Psychologie des inneren Widerstandes.

Er ist ein lästiger Geselle, der Innere Schweinehund: Er lässt uns nicht tun, was wir tun müssen, lässt uns unangenehme Arbeiten bis zum letzten Drücker aufschieben, schlampig oder gar nicht erledigen. Und es mangelt nicht an Forderungen und Tipps: Genug Willen haben, sich überwinden, sich alles in kleine Schritte aufteilen, sich nach Erfolgen belohnen usw. usw. Doch was Internet, Ratgeberliteratur und Kurse anraten, ist für Betroffene kaum umsetzbar.

Andererseits haben manche Menschen fast gar keinen inneren Schweinehund, sondern können ohne große Mühe alle Aufgaben erfüllen und im Leben Ziele erreichen, die anderen verwehrt bleiben. Es deutet also einiges darauf hin, dass es zwecklos ist, die inneren Widerstände durch immer härtere innere Gewalt gegen sich selbst überwinden zu wollen.

Während heute kein vernünftiger Mensch mehr einem Legastheniker unterstellt, dass er lesen und schreiben "nur wirklich wollen" müsse oder von einem Drogensüchtigen behauptet, er müsse "sich nur zusammen nehmen", um von seinem Laster los zu kommen, ist Vergleichbares in Sachen Selbstdisziplin die Regel. Es herrschen archaische Vorstellungen vom "freien Willen" vor, die anderswo längst als widerlegt und überwunden gelten. Für Betroffene mangelnder Disziplinbegabung führt das zu massiven Anfeindungen und böswillig auferlegten Nachteilen, die zu den ohnehin schon vorhandenen kommen.


Ich habe deshalb in einigen psychologischen Theorien recherchiert, was der "innere Schweinehund" wirklich ist. Besonders passend erschien mir die PSI-Theorie des Osnabrücker Professors Julius Kuhl, weil sie schlüssig die Konkurrenz und Opposition verschiedener Teile des menschlichen Denkens gegeneinander beschreibt. Denn genau die Diskrepanz zwischen rationalem Wollen und emotionaler Ablehnung, nicht selten dem Auswachsen unangenehmer Pflichten zum absoluten Horror, ist ja zentrales Merkmal einer defekten Selbststeuerung.

Kuhl unterteilt dabei das menschliche Denken in vier Grundsysteme, die er auch physisch im Gehirn lokalisiert. Die für das Handeln wichtigsten sind dabei das Intentionsgedächtnis, das er in der linken, vorderen Hirnhälfte verortet und das für das bewusste, klare und rationale Denken steht, sowie die intuitive Verhaltenssteuerung, ein eher primitives System, das er im hinteren, rechten Hirn verortet und das für das unbewusste, intuitive, "automatische" Handeln im Alltag steht. Daneben gibt es noch das so genannte Extensionsgedächtnis, ein in der rechten, vorderen Hirnhälfte verortetes, umfangreiches, aber eher "gefühlsmäßiges" Denksystem, sowie die so genannte Objekterkennung, ein bewusstes, primitives System in der hinteren, linken Hirnhälfte. Für die Handlungssteuerung und Defekte ebendieser stehen aber demnach vor allem die beiden Denkapparate Intentionsgedächtnis (komplex, im Gehirn vorne links) und intuitive Verhaltenssteuerung (primitiv, im Gehirn hinten rechts) im Vordergrund.

Nun ist es nach Kuhl so, dass die verschiedenen Denksysteme nicht etwa harmonisch zusammen arbeiten, sondern in Konkurrenz zueinander stehen und sich im ungünstigen Fall gegenseitig blockieren können. Sie sind überdies von den jeweiligen Emotionen abhängig: Positive Emotionen, wie Freude und Glück, aktivieren vorwiegend die rechte Hirnhälfte mit der intuitiven Verhaltenssteuerung, fördern also gewisser Maßen die Bereitschaft zum Handeln. Negative Emotionen, oder auch nur eine nüchtern-rationale Stimmung, fördern dagegen die Systeme der linken Hirnhälfte, darunter das Intentionsgedächtnis, dessen Aktivität dafür verantwortlich ist, dass man sich etwas vornimmt zu tun, weil es rational sinnvoll und geboten erscheint. Dazu kommt, dass entsprechende Denkaktivitäten in Gegenrichtung auch die Emotionen beeinflussen, dass also beispielsweise scharfes Nachdenken zu einer gedämpft positiven oder gar negativen Stimmung führt.

Es ist also so, dass gerade das scharfe Nachdenken über eine Aufgabe und das feste "sich Vornehmen" der Erledigung die primitive, aber für die Handlungsausführung nötige Intuitive Verhaltenssteuerung blockieren. Je fester man sich eine unattraktive Arbeit vornimmt, umso weniger kann man sie tatsächlich machen. Die unangenehme Aufgabe lässt sich also nicht, wie häufig falsch unterstellt, durch einen festen Willen dazu erledigen, sondern der feste rationale Wille sorgt für eine noch stärkere Blockade, weil dadurch die Intuitive Verhaltenssteuerung zum "Inneren Schweinehund" mutiert. Dies ist laut Kuhl ein grundsätzlicher Prozess, der bei allen Menschen so abläuft, der aber bei vielen ausgetrickst werden kann.

Als häufiges Beispiel für eine Krise der Selbststeuerung sei hier die so genannte Prokrastination genannt, das Aufschieben unattraktiver Aufgaben auf den letzten Drücker, bei der gleichzeitig ein extremer Druck und auch rationaler Wille des Betroffenen vorliegt, die Aufgabe gut zu erledigen. Betroffene setzen sich extrem unter Druck, eine unangenehme Arbeit, etwa das Lernen für eine Klausur oder die Steuererklärung, zu erledigen. Genau dadurch wird aber die Handlung unmöglich gemacht; man sucht sich jede erdenkliche Ausrede ("sind ja noch vier Wochen Zeit..."), um die Arbeit hinaus zu zögern. Am Ende wird dann die Aufgabe mäßig gut bis schlampig in einem harten Endspurt, häufig in einer Nachtschicht vor dem Termin, erledigt, unter Umständen auch gar nicht. Die meisten Betroffenen versuchen, diese Handlungsblockade zu überwinden, indem sie sich noch mehr unter Druck setzen, sich härter zwingen, sich noch mehr Drohungen und Horrorszenarien für den Fall der Nichterfüllung der Aufgabe ausmalen. Doch genau dieser Zwang und negative Affekt blockiert das intuitive Handeln, das nötig ist, um mit der Arbeit zu beginnen und dran zu bleiben. Die Folge: So sehr sich der Betroffene auch unter Druck setzt, er kann es nicht schaffen, frühzeitig mit der Aufgabe zu beginnen und so die Zeit für ein gutes Ergebnis zu nutzen. Der Gegensatz, einerseits sich zu einer Aufgabe zwingen zu wollen, andererseits diese beim besten Willen nicht umsetzen zu können, sorgt für eine extreme Belastung und faktisch die weitgehende Zerstörung der Lebensqualität der Betroffenen.

Im ungünstigsten Fall kann dies zu einem Teufelskreis führen: schlechte von außen geforderte Leistung, daraus resultierender Misserfolg, Verachtung und Anfeindungen der Umwelt, auf die man dann mit nochmals verschärftem Zwang und noch härteren Drohszenarien gegen sich selbst reagiert. Damit blockiert man seine Handlungsausführung noch mehr, und die Arbeitsergebnisse bleiben mäßig bis schlecht oder kommen gar nicht mehr.

Und was für größere Aufgaben, wie Klausuren, Arbeitsprojekte oder Steuererklärung gilt, gilt letztlich auch für die vielen kleineren Aufgaben des Alltags: Putzen, Aufräumen, Kinder versorgen, Amtsformalitäten, den beruflichen Alltag. Auch hier droht der Teufelskreis von Zwang und Drohungen, Handlungsblockade, Schlecht- oder Nichterfüllung und letztlich Misserfolg, auf den man mit noch mehr Hass und Zwang gegen sich selbst reagiert - der aber gar nicht in besseres Arbeitsverhalten münden KANN. Messies sind nicht deswegen wie sie sind, weil sie Dreck und Chaos in ihrer Wohnung lieben, sondern in der Regel, weil das Aufräumen so ein ausgewachsener Horror ist, dass es mit allen Mitteln vermieden wird und Dreck und Chaos letztlich das kleinere Übel sind (andere Ursachen, wie die Unfähigkeit zur permanenten Handlungsüberwachung, um etwa gebrauchte Gegenstände gleich an Ort und Stelle weg zu legen, oder Sammeltrieb mögen noch dazu kommen).


Die (begrenzten) Lösungen des Problems, und warum sie nicht für alle funktionieren:

Nun haben nicht alle Menschen Probleme, unangenehme Aufgaben zu erledigen. Dabei ist es durchweg so, dass diese Menschen sich für diese Aufgaben viel weniger mit Gewalt zwingen und quälen müssen als Menschen, denen sie große Schwierigkeiten machen. Im wesentlichen gibt es zwei Methoden, mit denen fleißige und disziplinierte Menschen ihre Dinge erledigen:
  1. sie schalten alle Emotionen ab und konzentrieren sich auf die zu erledigende Sache. Diesen "Robotermodus" bezeichnet Kuhl als handlungsorientiert, im Gegensatz zum lageorientierten Modus, bei der Betroffene in negativen Gefühlen und Grübeleien stecken bleiben. Einem Lageorientierten wird es bei einer unangenehmen Anforderung also stets dreckig gehen und er kann nichts dagegen tun, während der Handlungsorientierte seine Gefühle einfach aussperren kann. Dies ist, wie auch der reine Zwang, eine Methode der von Kuhl so genannten, autoritären Selbstkontrolle, bei der das Handeln nicht im Einklang mit den Emotionen steht.
  2. durch positive Motivation, also durch spätere Belohnungen, Konzentration auf abstrakte, positive Aspekte der Aufgabe, oder auch gesellschaftliche oder religiöse Wertvorstellungen von Fleiß und Disziplin. Damit das funktioniert, müssen die Betreffenden aber tricksen. Denn auch die positive Motivation kann die Handlungshemmung im Intuitionsgedächtnis nicht vollends aufheben, die immer entsteht, wenn man sich eine Sache rational vornimmt, d.h. im Intentionsgedächtnis festhält. Um aus dem rationalen auch einen emotionalen Willen zu machen, der letztlich die Handlung ermöglicht, muss der negative Affekt überwunden werden. Dies geschieht laut Kuhl durch eine Art "Trostimpuls", der den negativen Affekt schon beim Entstehen gleich wieder abreguliert und so der unangenehmen Aufgabe ihren Schrecken nimmt. Kuhl nennt diese Variante Selbstregulation, weil dabei die Emotionen nicht niedergezungen oder überwunden, sondern gewissermaßen der äußeren Anforderung entsprechend angepasst werden.
Das Problem bei beiden Varianten, bzw. der Grund, warum viele keine der beiden anwenden können, ist, dass man dafür Emotionen regulieren können muss. Sie also entweder abschalten und in den handlungsorientierten Modus zu wechseln ("Roboter"), oder sie in positive Richtung zu ändern (positive Motivation für unangenehme Aufgabe).

Die Norm ist dagegen:
  • unattraktive Pflichten lehnt man immer emotional ab; sie können nur mit Zwang gegen sich selbst erledigt werden.
  • Die Aversion und Handlungshemmung gegen unangenehme Aufgaben kann auch nicht durch deren Verknüpfung mit positiven Zielen oder Wertvorstellungen nennenswert gemindert werden.
  • Aufgaben, wie Haushaltsarbeiten oder Lernen, werden in der Kindheit mit Drohungen, Anschreien oder auch körperlichen Züchtigungen durchgesetzt, oder sind an sich Strafen ("...weil du Mist gebaut hast, wirst du das ganze Wochenende nur lernen und Zimmer aufräumen!").
  • Emotionen sind nicht steuerbar: Schlechte Stimmung ist wie schlechtes Wetter, man kann nichts dagegen tun, man muss warten, bis es vorbei ist.
Um vor allem vom letzten Punkt abzuweichen und die außergewöhnliche Fähigkeit zu entwickeln, Emotionen zu regulieren, ist laut Kuhl insbesondere ein Aspekt mütterlicher Fürsorge in der frühen Kindheit entscheidend, sowie ein positives Selbstbild des betreffenden Menschen. Die Mutter sollte auf negative Äußerungen des Säuglings angemessen reagieren, u.a. mit Trost, so dass das Baby nach einiger Zeit einen eigenen, automatischen Trostimpuls als Reaktion auf negative Affekte entwickelt. Dieser automatische Trostimpuls behält sich dann im günstigsten Fall lebenslang bei und ermöglicht es diesen Menschen, sich gegen den Horror einer unangenehmen Arbeit zu "trösten" und so die Handlungshemmung entscheidend zu mindern.

Die defekte Selbststeuerung

Das Fehlen eines solchen Trostimpulses, bzw. der daraus erwachsenden Möglichkeit, sich in einer Problemsituation selbst zu trösten, ist laut Kuhl eine entscheidende Ursache unter anderem dafür, dass Menschen sich Dinge zwar vornehmen, aber daran scheitern, weil sie die Aversion nicht überwinden können. Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist für ihn ein im allgemeinen positives Selbstbild, das es ermöglicht, unangenehme Dinge zu verkraften.

Wer im Leben erfolgreich sein oder auch nur minimal klar kommen will, in dem Sinne, dass er auch unangenehme Dinge geschafft kriegt und äußeren Anforderungen genügen kann, braucht demnach solche Techniken, die er mit zunehmender Reife vor allem unbewusst einsetzt. Wer dagegen immer mit Drohungen oder Gewalt zu Dingen gezwungen wird, sich vielleicht im Laufe des Lebens zu seinem eigenen Sklaventreiber entwickelt, der Putzen, Aufräumen, Steuererklärung und Arbeit durch Aufbau von Drohszenarien und Horrorvorstellungen für den Fall der Nichterfüllung erledigt, kann immer weniger Emotionsregulation betreiben, um sich zu solchen Dingen zu bewegen, und somit immer weniger das Intuitionsgedächtnis nutzen, das solche Handlungen bahnt. Die permanenten negativen Affekte und das wahrscheinlich durch zunehmende Misserfolge und Nichterfüllungen immer stärker lädierte Selbstbild lassen auch die Ansätze solcher Fähigkeiten erodieren - ein Teufelskreis. Dazu kommt die so genannte Entfremdung, dass man von außen gestellte Anforderungen fälschlich für den eigenen Willen hält, was sie aber nicht sind - und weshalb man sie nur mit größten Schwierigkeiten und irgendwann vielleicht gar nicht mehr erledigen kann. Dieser Entfremdungseffekt wurde experimentell bestätigt.

Letztlich ist die autoritäre und gewaltsame Selbstkontrolle extrem energieaufwändig und ineffizient. Das zeigen auch Untersuchungen etwa zu Diäten oder Raucherentwöhnung: Menschen, die es mit "Strenge gegen sich selbst" versuchten, hatten deutlich weniger Erfolg als Menschen, die sich positiv motivieren konnten. Bei handlungsorientierten Menschen, die ihre Emotionen zumindest zum Teil ausblenden können, halten sich nach außen sichtbare, negative Folgen in Grenzen, aber bei lageorientierten Menschen, die in negativen Emotionen fest stecken wie in einem zähen Sumpf, führt dies zu schweren Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit (insbesondere bezüglich äußerer, nicht akzeptierter Anforderungen) und manchmal zum Totalversagen.

Überwiegende Handlungs- und Lageorientierung sind nach der PSI-Theorie Persönlichkeitsmerkmale, die langfristig festgelegt und nicht oder nur schwer und eingeschränkt zu ändern sind - wobei übermäßige Lageorientierung gerade auch durch fehlende Fähigkeit zur Emotionsregulation mitbedingt ist. Lageorientierte Menschen, die nur wenig Möglichkeiten haben, unattraktive Aufgaben durch Emotionsregulation in ihr Intuitionsgedächtnis zu bekommen und damit ohne massive Gewalt gegen sich selbst zu erledigen, werden an unattraktiven Pflichten zwangsläufig immer wieder scheitern oder sie nur mangelhaft erledigen - sie können gar nicht anders. Denn der "innere Schweinehund" wird immer stärker, je mehr sie sich zu zwingen versuchen, Intentions- und Intuitionsgedächtnis arbeiten gegeneinander und das Austricksen dieses Antagonismus durch einen "Trostimpuls" funktioniert nicht.

Was sagt die PSI-Theorie aus?

Im Wesentlichen macht die PSI-Theorie die Fähigkeit zur Selbststeuerung (Emotionsregulation) bzw. Selbstdisziplin (in der PSI-Theorie: Zwang), den beiden grundsätzlich verschiedenen Modi der Handlungssteuerung gegen die reine Lust und Neigung, von der frühkindlichen Entwicklung abhängig. Sie sagt nichts über genetische Veranlagungen oder sonstige frühkindliche Erfahrungen aus, die wahrscheinlich ebenfalls für die unterschiedliche Disziplinbegabung (hier inklusive Selbstregulation) der Menschen verantwortlich sind.

Auf jeden Fall zeigt sie aber, dass fehlende Selbststeuerung/-disziplin stabile Gegebenheiten sind, die man nicht einfach ändern kann, indem man "sich zusammen reißt" - dies wäre überdies nur autoritäre Selbstkontrolle, die positive Selbstregulation zunehmend noch unmöglicher macht. Es bedarf vielmehr eines komplexen Trainings und ggf. Therapie, um überhaupt Änderungen zu bewirken; mit einiger Wahrscheinlichkeit lässt sich ein Versagen aller Selbststeuerungsmechanismen gar nicht mehr in den Griff kriegen. Kuhl legt nahe, dass evtl. durch intensives Verständnis und Einfühlung ein positives Selbstbild geschaffen werden kann - als eine fertige Lösung erscheint dies aber nicht bei ihm.

Ihre große Stärke ist die schlüssige Darstellung konkurrierender und gegeneinander arbeitender Denksysteme der gleichen Person, die bekannteste (und älteste) sonstige Darstellung eines solchen Antagonismus ist das Freud'sche Instanzenmodell (Es, Ich, Über-Ich).

Konsequenzen

Es zeigt sich vor allem deutlich, wie falsch die gängigen Stammtischparolen sind, wonach man etwas "nur wollen" oder "sich zusammen nehmen" muss. Und auch politische Bestrebungen, Menschen mit Disziplinstörungen mit Zwang an unangenehme Aufgaben gewöhnen zu wollen, werden keinen echten Erfolg zeigen. Abgesehen davon, dass viele Zwangsmaßnahmen etwa gegen Arbeitslose reiner Sadismus sind, der darauf abzielt, ihnen ganz gezielt besonders belastende Pflichten aufzudrücken und ihnen das vermeintlich lockere Leben zu vermiesen: Zwang kann kein Mittel sein, echte Selbstdisziplin (korrekt nach der PSI-Theorie: Selbstregulation) zu erzeugen. Die Betroffenen werden ständigem Horror und existenziellen Drohungen ausgesetzt; meistens schaffen sie gerade das, was man aus ihnen herausprügelt, aber auch nur, solange sie konkret gezwungen und bedroht werden.

Zwang und negative Affekte bei einer zu erledigenden Aufgabe blockieren die Ausführung in der intuitiven Verhaltenssteuerung (emotionaler Wille), die dadurch zum "inneren Schweinehund" wird - eine der so genannten Modulationsannahmen der PSI-Theorie. Positive Selbststeuerung kann jemand nur erreichen, wenn er es schafft, die negativen Emotionen abzustellen - was mit Drohungen oder unsinnigen Pflichten, die unter Umständen einzig der Schikane dienen, nicht geht.

Das ist keine Garantie, dass sich jemand zur fleißigen Arbeitsbiene auch bei unangenehmen Pflichten umpolen lässt (so weit muss es auch gar nicht gehen) - aber positives Lernen von Selbststeuerung ist ein wichtiger Weg sowohl für die Umsetzung äußerer Anforderungen (insbesondere, ohne dabei einen ständigen Horror zu haben), als auch für die Selbstbestimmung, dass man selbst gesteckte Ziele erreichen kann, auch, wenn sie die Erledigung unangenehmer Aufgaben erfordern (statt nur immer den einfachen und bequemen Weg gehen zu können).

Und wenn eine Therapie - eine solche wäre wohl auf jeden Fall erforderlich - nicht anschlägt und derjenige keine Selbststeuerung zur Umsetzung äußerer Anforderungen umsetzen kann, sollte man das zumindest so weit akzeptieren, dass man darauf verzichtet, ihn durch Bedrohung dazu zu zwingen oder ihm gar nutzlose Pflichten als reine Schikane aufzudrücken. Durch Zwangsarbeit wurden noch nie gute Leistungen erbracht, und unsere Gesellschaft hat es nicht nötig, aus Menschen, die etwas von Natur aus nicht können, mit übelster Schinderei minimale Arbeitsleistung heraus zu prügeln. Ein "Sozialneid nach unten" gegen Disziplinunbegabte, der ihnen selbst ein ruhiges Leben missgönnt und sie deshalb gängeln und herumscheuchen will, steht einem zivilisierten Land nicht gut!

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