Erzwungene Arbeit und Pflichten - ein Übel, das zu bekämpfen ist! (Einführung)

Sie stellen den Großteil des menschlichen Lebens dar: Arbeit und Pflichterfüllung, Tätigkeiten, die man nicht selbst gewählt hat, sondern zu denen man durch Staat, Gesellschaft, Umfeld oder einfach Sachzwänge genötigt wird. Das gute Leben aus Spiel, Spaß und selbst gewählten, kreativen Tätigkeiten ist eine realitätsfremde Illusion. Aber muss das so sein? Welche Alternativen gibt es? Die Alltagssklaverei zu überwinden, das soll eines der fortlaufenden Themen dieses Blogs sein.

Wenn man die Arbeit als solche betrachtet, kann man sie zunächst mal unterteilen in gute und schlechte Arbeit. Gute Arbeiten, das sind typischer Weise etwa: Heimwerken, Gartenarbeit oder Blogs schreiben. Schlechte Arbeiten sind: Putzen, Aufräumen, Steuererklärung. Erwerbsarbeit hat meist von beidem etwas. Wobei sie für jemanden, der von der Arge zu Drecksarbeiten zum Hungerlohn gezwungen wird, indem man ihm sonst das Hartz IV streicht, wohl eindeutig schlechte Arbeit ist. Kurzum: Es kommt darauf an, ob man eine Sache gern macht und direkt von ihr profitiert.

Nun kann man eine Sache grundsätzlich nur tun, indem man entweder von Natur aus Lust dazu hat, oder indem man sich mit innerer Gewalt dazu zwingt. Ersteres sind natürlich vor allem angenehme Dinge: Computerspielen, Trinken, Schlafen, Süßigkeiten futtern, aber eben auch gute Arbeiten und andere kreative Tätigkeiten. Zu allem anderen muss man sich mit Gewalt zwingen. Selbst, wenn eine solche Tätigkeit letztlich einer guten Sache dient, können die meisten Menschen dies nur als Anlass sehen, sich besonders zu quälen und damit die unangenehme Aufgabe zu erledigen, damit die gute Sache auch erledigt wird. Es gibt zwar offenbar auch eine Minderheit, die alle Emotionen abschalten und unangenehme Pflichten roboterhaft erledigen kann; manche können sich sogar für unangenehme Aufgaben positiv motivieren. Dies ist aber nicht die Regel und kann gewöhnlich auch nicht erlernt werden; somit muss man davon ausgehen, dass die Erledigung unangenehmer Aufgaben und Pflichten im Regelfall eine mehr oder minder starke Quälerei ist, welche das Wohlbefinden der Betroffenen empfindlich beeinträchtigt.

Dass jemand zu Tätigkeiten gezwungen ist, die er nicht machen will, ist letzlich eine leichtere Form von Sklaverei: Man wird zwar nicht in Ketten auf dem Marktplatz versteigert, ist aber doch für einen Großteil seines Lebens dazu gezwungen, Dinge zu tun, die man nicht tun will und die für einen darum eine Qual sind. Ob erzwungene Erwerbsarbeit, Heimbürokratie oder der Zwang zum Aufräumen und Putzen - stets ist man Sklave der gesellschaftlichen Erwartungen und Sachzwänge. Der Zwang, nur für sein bloßes Dasein zu arbeiten und Leistung zu erbringen, die Anforderung aus der Bibel: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen", wird hier als Ursklaverei bezeichnet, weil sie die ursprünglichste aller unangenehmen Verpflichtungen ist.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel getan, um Menschen von unangenehmen Aufgaben und Pflichten zu entlasten. Kaum einer kann sich einen Haushalt ohne Waschmaschine vorstellen; Spülmaschine und Wäschetrockner sind weitere Hilfen, um lästige Haushaltsarbeit los zu werden. Auch im Erwerbsleben gab es in der Zeit der "alten Bundesrepublik", bis etwa zur Wiedervereinigung, den Trend zu immer mehr Automatisierung und Rationalisierung, was den Menschen die unangenehme Arbeit abnahm.

Doch diese positive Tendenz hat die Gesellschaft nicht genutzt: Mit dem Wegfall von menschlicher Arbeit wurden Menschen erwerbslos, statt mit weniger Arbeit mehr Wohlstand zu haben, landeten sie in den Sozialsystemen, die eigentlich nur als Nothilfe konzipiert waren. Dies führte um die Jahrtausendwende zu einer verheerenden Rückentwicklung: Zunehmend wurden Billiglöhne statt Automatisierung propagiert, die Globalisierung sorgte für Konkurrenz durch Arbeiterheere im Ausland, die lächerliche Löhne, keinerlei Arbeitnehmerrechte und so gut wie keine soziale Absicherung hatten. Statt auf den Wegfall des Arbeitskräftebedarfs mit einer Verteilung des Wohlstands unabhängig von Arbeit zu sorgen, wurde zunehmend Arbeitszwang und damit Versklavung der Menschen propagiert. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Agenda 2010 der Schröder-Regierung, mit dem Zusammenstreichen von Sozialleistungen, verstärkter Nötigung von Arbeitslosen zur Arbeitsaufnahme und einer ganzen Reihe von Maßnahmen, deren Ziel ein extremes Lohndumping war.

Viele Medien schüren einen Sozialneid nach unten, indem sie über angeblich im Luxus lebende Sozialleistungsempfänger berichten, die sich weigern, zu arbeiten und oftmals den Staat betrügen. Diese Art Berichterstattung appelliert an einen niederen Instinkt jener Leute, die trotz harter Arbeit wenig haben, nämlich, anderen Menschen ein erträgliches Leben ohne Schinderei zu missgönnen. Die Sklaven sollen somit selbst zu Sklaventreibern gegen unwillige Sklaven werden. Es soll der Eindruck vermittelt werden, Sozialleistungen würden direkt das Einkommen der arbeitenden Menschen schmälern. Doch in der Tat zahlt ein Geringverdiener gar nicht so viel Steuern, dass dies für Hartz IV oder ähnliches relevant wäre.

Wir haben es hier mit dem zentralen Problem zu tun, dass viele das gute Leben ohne erzwungene Arbeit für illegitim halten. Und genau an der Stelle sollte -kreativ- gearbeitet werden. Wie wäre es etwa mit einem vollautomatischen System von Fabriken, landwirtschaftlichen Anlagen und Transportmitteln, das alle für den Grundbedarf nötigen Güter produziert, ohne dass die nicht arbeitenden Menschen damit andern auf der Tasche liegen? Oder damit, dass dort, wo richtig viel Geld fließt, abgeschöpft wird, so dass das Opfer nur klein ist, der Nutzen aber riesig. Glücklicher Weise finden vergleichbare Pläne auch Zustimmung, so etwa die für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Langfristig ist es absolut sinnvoll, Sozialleistungen weg von der Nothilfe hin zur Versorgung umzugestalten. Um ein wirklich menschenwürdiges Leben zu sichern, sollte der Staat alle Grundbedürfnisse gewährleisten: Essen, Unterkunft, Gesundheitsversorgung, einfache Unterhaltungs-, Kommunikations- und Transportmittel. Die von Versklavungsideologen so oft propagierte "Eigenverantwortung" ist nichts anderes, als den gesellschaftlich (Schichtsozialisation) und individuell (durch Begabungen) vorgezeichneten Weg in ärmliche Verhältnisse, bei Wegfall der Sozialsysteme in elementaren Mangel, den Betroffenen selbst zuzuschreiben, obwohl die fast keinen Einfluss darauf haben.

Entsprechend sollte auch im Privatbereich immer mehr automatisiert werden, damit unangenehme Haushaltspflichten entfallen: Was mit Wasch- und Spülmaschinen und Wäschetrocknern begann, soll mit automatischen Staubsaugern und Putzmaschinen, RFID-Ortungssystemen anstelle von Ordnung und Aufräumen und Computersoftware mit einheitlichen Schnittstellen zu Behörden, Krankenkassen usw. zur Erledigung von Formalitäten fortgesetzt werden.

Arbeit und Leistung werden damit keineswegs schlecht geredet, denn auch in einer weitgehend automatisierten Welt muss noch Arbeit gemacht werden, Kreativität und Leistung werden benötigt, um das Versorgungssystem am Laufen zu halten und effizienter zu machen. Aber es sollte kein Zwang mehr sein; die Ursklaverei nach dem Prinzip "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", gehört überwunden! Selbstverständlich können jene, die in einer Welt ohne Arbeitszwang noch Leistung erbringen, dafür auch Belohnungen erwarten, etwa Luxusgüter, die sich von Grundversorgung lebende Menschen nicht ohne weiteres leisten können. Jeder kann dann entscheiden, ob er sich für einige Extras im Leben quält oder lieber das einfache, aber dafür mit viel weniger Quälerei versehene Grundversorgungs-Leben wählt. Menschen mit der Begabung, sich selbst ohne Quälerei zur Arbeit zu bewegen, durch roboterhaftes Abschalten der Emotionen oder positive Selbstmotivation, werden es dabei einfacher haben, einen besseren Lebensstandard zu erreichen.

Erzwungene, ungewünschte Arbeiten und Pflichten beschneiden alle Menschen in ihrer Lebensqualität. Folglich sollte es das Ziel sein, unangenehme Arbeiten und Pflichten weitestmöglich zu reduzieren. Das endgültige Ziel sollte das Leben aus Spiel, Spaß und angenehmen Tätigkeiten sein, dass sich vielleicht nicht endgültig erreichen lässt, aber doch den Limes einer positiven Gesellschaftsformel bildet.
wvs - 5. Jan, 11:09

"Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" - ja, das ist eines der Grundübel in diesem (und anderen) Staaten:
Der Einfluß von Religion macht Menschen unfrei, weil er ihnen bestimmte Vrehaltensnormen (die den Mächtigen nützen) vorgibt und ansonsten droht, sie in Verdammnis zu stürzen ....

Ein guter Anfang wäre da die Entflechtung von Kirche und Staat voranzutreiben.
Ich bin Atheist.
Wer macht mit und tritt aus der Kirche aus?

Folglich sollte es das Ziel sein, unangenehme Arbeiten und Pflichten weitestmöglich zu reduzieren. - eine gute Idee. Allerdings habe ich die Befürchtung, daß es mehr Chaos geben könnte als man sich wünscht:
Viele sind gewohnt 'erledigen zu lassen' und müßten erst umdenken lernen - Verantwortung für sich selbst zu tragen fällt wahrscheinlich schwerer als sich in ein - ungeliebtes, aber bequemes - Abhängigkeitsverhältnis zu begeben und darauf zu hoffen, daß es im schlimmsten Falle eher Andere als einen selbst trifft ....

Ich habe noch die Zeit des Aufbruchs - im Sinne von "zerbrechen" - der bürgerlichen Gesellschaft miterlebt und muß mit Schrecken erkennen, daß all Jene, die sich damals anschickten eine "bessere Gesellschaft" zu erreichen sich dann doch für die Honigtöpfe des Kapitalismus und gegen ein selbstbestimmtes Leben entschieden haben.

Der Mensch ist schwach. Vorsätze und Wünsche schwinden wie Schnee in der Sonne wenn es darum geht auch bei Gegendruck 'standfest' zu sein.

Aber man soll nie "Nie!" sagen - möglicherweise erlebe ich es ja noch vom Gegenteil überzeugt zu werden ....
PS
Bevor ich es vergesse:
Vielen Dank für die Vergrößerung der Schrift. Das ist ein echter Gewinn ...!

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